Das Plädoyer für filmische Weglichkeit wendet sich im vorletzten Band dieses 6-teiligen Projekts der Untersuchung bahnungsanhängiger
Zielbestimmtheit
zu. Auf das Studium des
Wo?
und
Wie?
der Wege folgt das Interesse an ihrem
Wohin?
Nicht selten kündigen sich Ziele der Fortbewegung im Kino durch Schriftverkehr an. Entweder in Form einer Vorankündigung, die sich
Wegweiser
nennt, oder als
Ortstafeln
und
Landmarken,
bieten sie sich den handelnden Figuren in den Filmen sowie den vor den Filmen Sitzenden im Kinosaal als erste Orientierungsmöglichkeiten an. Dass die deiktischen Zeichensätze dabei oft alles andere als
Wahrzeichen
sind, wird im ersten Hauptteil ausführlich diskutiert.Der zweite Teil wendet sich von der dominanten Erstreckung filmischer Fortbewegung in der Horizontale ab und den
Wegen in der Vertikale
des filmischen Handlungsraums zu. Gibt es eine reinere Form vertikaler Wege auf der Leinwand als die, welcher sich Kletternde
in der Felswand
stellen? Diese im Kino wohl eher seltene Fortbewegungsart zeichnet sich durch zwei Merkmale aus, die etwa an den Höhepunkten von Bergfilmen zelebriert werden. Um das Ziel hoch oben nicht nur im Auge zu behalten, sondern dieses auch sicher zu erreichen, zelebrieren diese Laufbilder das
Gehen auf Händen
und üben das
Tasten als Testen.
Sie tauschen das Gesicht aus gegen das Gefühl. Ganz anders die filmische Überwindung von Höhenschichtlinien durch
technische Aufstiegshilfen;
die in Screwball Comedies mit notorischer Häufigkeit sich einstellenden Aufzüge und Treppen etwa erweisen sich – so zumindest nach den in diesem Kapitel vorgestellten Fallstudien – nicht selten als nachgerade radikale Kritiker der Hierarchisierung gesellschaftlicher Macht und dokumentieren das Oben und Unten politischer Differenzen.Der dritte Teil des fünften Bandes von
Wege
kehrt in die Horizontale zurück. Dem Auftrag zur Klärung weglicher Zielvorstellungen folgend, geht er von der Beobachtung aus, dass Hauptstraßen auf Leinwänden oft bedroht und infrage gestellt werden. Ablenkungen und Hindernisse, einmal zu schnell, dann wieder zu langsam – der
rechte Weg
ans Ziel stellt sich nur selten ein. Häufiger anzutreffen sind deshalb die Abweichungen vom geraden Weg.
Auswege,
etwa solche aus Knast und Haus,
Umwege,
etwa Workarounds oder schlicht um Hindernisse herum führende Routen durchs Mittelmeer und über die Alpen, oder der
Abweg
– sie geben den Filmen oft mehr an ästhetischer Dynamik als breit ausgeleierte Denkspuren und mehr an Finesse als tief ausgefurchte Fahrbahnen.