Die niederländische Literaturtheoretikerin, Kunsthistorikerin und Filmemacherin Mieke Bal begründete nicht nur die
ASCA – Amsterdam School for Cultural Analysis,
sondern entwickelte auch eine interdisziplinär ausgerichtete Vorgehensweise, um kulturelle Objekte aller Art zu beforschen. Ihr Ansatz, theoretisch fundierte Konzepte im Sinne von Mikro-Methodiken zu entwickeln, die es ermöglichen, die untersuchten Gegenstände zum Sprechen (und zum Widerspruch) zu bringen, wurde als Ansatz der
Kulturanalyse
international rezipiert. Ihre Ambition, sich für jede Studie, für jede Auseinandersetzung individuell auf das jeweilige Gegenüber einzulassen, rückt Bals Forschungspraxis eng an das Konzept des essayistischen Denkens. Insofern ist es nur naheliegend, dass Mieke Bal dieser Parallele eine eigene Studie widmet, die dem
Versuchen
gilt.Ausgehend von einer Rückschau auf ihr eigenes filmisches Schaffen, in dem ihr theoretisches Arbeiten stets intensiv mitreflektiert wird, fragt sie sich im vorliegenden Text, worin der angewandte Essayismus von Filmen bestehen könne – und umgekehrt, wie die spezifische Praxis eines essayistischen Denkens verstanden werden kann. Dieser Essay über das essayistische Tun
versucht,
die Potenziale einer Praxis zu erhellen, die zwischen theoriegeleiteter Forschung und formbewusster künstlerischer Auseinandersetzung changiert.