Georg Reif ist ein verheirateter Krankenhausarzt, unzufrieden mit den Anforderungen, Routinen und Zumutungen seines Daseins. Als er beschließt, sein Leben zu ändern, gerät vieles ins Rutschen. Während er zunehmend Gefahr läuft, alles zu verlieren, verirrt er sich immer tiefer in den Labyrinthen seiner eigenen Sprache.
Hiobs Syndrom nimmt die Welt der Medizin ebenso ins Visier wie die Rituale von Arbeit, Ehe, Kunstbetrieb und Selbstverwirklichung. Doch der Roman ist kein klassisch erzählter Arztroman. Der in den 1990er Jahren entstandene Text folgt den Sprüngen, Schleifen und Überhitzungen eines Bewusstseins, das sich gegen die Ordnung der Dinge auflehnt. Gedanken, Erinnerungen, Dialogfetzen, fachliche Beschreibungen, Wortspiele, Zitate, Obsessionen und groteske Beobachtungen überlagern einander.
So entsteht eine satirische, bisweilen abgründig komische Reise durch den medizinischen Alltag und die Innenwelt eines Mannes, der retten will, aber selbst nicht gerettet ist. In fiebrigen Gedankenketten, bitterem Witz und absurden Bildern erzählt der Roman von Macht und Ohnmacht, vom vergeblichen Wunsch nach Liebe, Anerkennung und künstlerischer Freiheit - und von der Frage, ob Schreiben heilen kann, wenn das Leben längst wund geworden ist.
Sprache ist dabei zugleich Zuflucht, Kampfplatz und Krankheit. Aus dem inneren Monolog wird ein sprachlicher Sog: komisch, böse, körperlich, philosophisch und bisweilen bewusst überfordernd. In einer eigenwilligen, sperrigen Prosa, die sich dem glatten Erzählen verweigert, entwirft Hiobs Syndrom ein sprachgewaltiges Panorama der Überforderung - ein Roman aus der Zeit vor permanenter digitaler Vernetzung und gerade deshalb erstaunlich nah an einer Gegenwart, in der Gedanken kaum noch zur Ruhe kommen.