Du sagtest, Quallen benötigen eine bestimmte Strömung,
damit sie nicht untergehen und sich verletzen.
Ich wünschte, ich hätte die richtige Richtung gewählt.
Elias Winter ist siebenunddreißig, alleinerziehender Vater und überzeugt davon, sein Leben längst sortiert zu haben. Bis ihn im ersten gemeinsamen Urlaub mit seinem Sohn ein fremder Ball trifft und mehr ins Rollen bringt als nur den Sand zu seinen Füßen.
Denn nur einen Herzschlag später steht Hendrik vor ihm.
Auffallend freundlich, wohlerzogen und mit graublauen Augen, in denen etwas liegt, das Elias nicht benennen kann.
Wieder und wieder läuft ihm der junge Mann zufällig über den Weg, als hätte das Schicksal seine Finger im Spiel. Doch es sind nicht die Momente zwischen High Society, maßgeschneiderten Anzügen und makellosem Lächeln, die Elias nicht mehr loslassen. Es sind die Augenblicke, in denen Hendrik allein im Regen steht und auf das Meer hinausblickt.
Hendrik Kronberg ergibt für Elias keinen Sinn.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum er ihn nicht vergessen kann, obwohl Hendrik ihn auf eine Weise berührt, mit der Elias nie gerechnet hat.
Eigentlich kehrt Elias nach dem Urlaub ohne ein Wiedersehen in sein gewohntes Leben zurück.
In einen Alltag mit Jimi, der längst eingespielt ist, sicher, vertraut und überschaubar.
Doch Wochen später bittet Hendrik um ein Treffen, und Elias sagt zu, obwohl ihn schon dieser eine Wunsch mehr aus der Ruhe bringt, als er sollte.
Denn Hendrik ist kein Mann, der sich leicht begreifen lässt.
Er ist ein Rätsel aus höflichen Worten, stiller Sehnsucht und einem Leben, das nach außen perfekt wirkt, bis Elias erkennt, wie wenig davon Hendrik wirklich gehört.
Je näher Elias ihm kommt, desto deutlicher begreift er, dass manche Menschen nicht untergehen, weil sie zu schwach sind.
Sondern weil niemand ihnen erlaubt, die richtige Strömung zu finden.
Haven and Rain