Harzburg, November 1666. Agnes kam aus Goslar mit einem Beutel, drei Büchern und einer Narbe, die kein Mensch sieht. In der alten Burg über dem Harz findet sie Arbeit, Stille, und etwas, das sie nicht benennen kann.
In ihrer ersten Nacht hört sie Schritte hinter der Wand. Kein Schrecken, nur das merkwürdige, sichere Gefühl, erwartet zu werden. Bald spürt sie ihn: eine Wärme, die kein Feuer erklärt, einen Geruch nach Kiefernharz, eine Anwesenheit, die kommt, wenn sie allein ist. An der Quelle im Fichtenwald. Im Turmkorridor. Auf dem Gipfel des Brockens, wenn der Nebel alles einschließt.
Zwischen Quelle und Kerzenschein, zwischen Fest und Sturmnacht, zwischen dem alten Hauptmann Veit, der mehr weiß als er sagt, und dem geheimnisvollen Siegel ihrer Mutter, das unter einer Diele lag und wartete, entfaltet sich eine Geschichte über das Begehren, das keine Erklärung braucht. Über die Sehnsucht, gesehen zu werden, wie man ist. Über eine Liebe, die keinen Namen hat und deshalb vollständiger ist als jede, die man benennen kann.
Prickelnd, atmosphärisch und von einer sinnlichen Dichte, die unter die Haut geht, Der Schatten der Harzburg ist kein Roman über das, was man sieht. Er ist ein Roman über das, was man fühlt, wenn man aufgehört hat, sich zu fürchten.