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Der Hügel (Athen)

Der Hügel (Athen)

von Volker Renner
Heft - 9783864853692
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Beschreibung

Im neuen Künstlerbuch von Volker Renner richtet sich der Blick nicht auf das Monument selbst, sondern auf seine Reproduktionen. Entstanden auf der Akropolis, zeigen die Fotografien verblichene Informationstafeln – Bilder von Bildern. Die Tafeln, einst didaktische Vermittler zwischen Antike und Gegenwart, sind von der Sonne ausgeblichen. Das Blau des attischen Himmels, das auf ihnen abgebildet war, ist nur noch ein blasses Echo. Marmorsäulen wirken milchig, Konturen verschwimmen. Die Fotos scheinen wie aus der Zeit gefallen – nicht nur, weil sie historische Motive zeigen, sondern weil sie selbst zu Relikten geworden sind. Renner fotografiert also nicht die Parthenon, nicht die ikonischen Propyläen, sondern die Spuren der Vermittlung. Es ist ein subtiles Spiel mit Ebenen: Antike Architektur, dokumentiert durch Fotografie, reproduziert auf Tafeln, erneut fotografiert. Jede Schicht fügt eine Zeit hinzu. Jede Sonne, jeder Sommer, jede Touristensaison schreibt sich als Patina ein. Die Akropolis ist mehr als eine Ansammlung antiker Bauwerke. Sie ist ein Symbol westlicher Kulturgeschichte. Im 5. Jahrhundert v. Chr., im sogenannten Goldenen Zeitalter unter Perikles, entstand der Parthenon als Tempel für Athena. Über Jahrhunderte hinweg wurde der Hügel umgewidmet – zur Kirche, zur Moschee, zur Festung. Explosionen, Plünderungen, Restaurierungen: Jede Epoche hinterließ ihre Narben. Im 19. Jahrhundert wurde die Akropolis zum Projektionsraum nationaler Identität des neu gegründeten griechischen Staates. Antike Reinheit wurde freigelegt, spätere Schichten entfernt – auch das eine Form der Bildpolitik. Die Vorstellung einer „klassischen“ Vergangenheit ist bis heute stark kuratiert. Renner knüpft indirekt an diese Geschichte an: Seine Motive erzählen vom fortwährenden Bearbeiten, Zeigen und Neu-Inszenieren der Antike. Jährlich strömen Millionen Besucherinnen und Besucher auf den Hügel. In der Sommerhitze stauen sich die Menschen zwischen Marmorstufen und Sicherheitsgeländern. Smartphones heben sich wie ein zweites Gebirge in die Luft. Und genau hier liegt ein stiller Kontrast zu Renners Buch: Während unten auf den Tafeln die Bilder verblassen, werden oben unablässig neue digitale Bilder produziert. Die Touristen fotografieren den Parthenon – vielleicht sogar dieselben Perspektiven, die auf den alten Tafeln zu sehen sind. Doch ihre Aufnahmen sind hochauflösend, sofort teilbar, flüchtig im Strom sozialer Medien. Renner hält einen Moment fest, in dem die visuelle Vermittlung selbst altert. Seine Fotografien zeigen nicht die monumentale Ewigkeit der Akropolis, sondern die Vergänglichkeit ihrer Darstellung. Die Sonne wird zur Mitautorin: Sie löscht, überbelichtet, transformiert. Bilder, die sich selbst überholen Was bleibt, wenn ein Bild nicht mehr informiert? Wenn seine Farben schwinden und seine Lesbarkeit nachlässt? Renners Künstlerbuch antwortet nicht laut. Es zeigt. Es beobachtet. Es vertraut auf die poetische Kraft des Verblassens. Die ausgeblichenen Tafeln wirken beinahe melancholisch – wie Erinnerungen, die sich nicht mehr vollständig abrufen lassen. So entsteht ein vielschichtiges Werk über Zeit, Geschichte und Reproduktion. Die Akropolis erscheint nicht als statisches Monument, sondern als Ort permanenter Überschreibung – durch Geschichte, durch Politik, durch Tourismus und durch das Licht selbst. In Volker Renner’s new artist’s book, the focus is not on the monument itself, but on its reproductions. Taken on the Acropolis, the photographs show faded information panels—images of images. The panels, once intended as didactic mediators between antiquity and the present, have been bleached by the sun. The blue of the Attic sky depicted on them has become little more than a pale echo. Marble columns appear milky, their contours dissolving. The photographs seem displaced in time—not only because they depict historical subjects, but because they themselves have become relics. Renner does not photograph the Parthenon or the iconic Propylaea, but rather the traces of their mediation. It is a subtle play of layers: ancient architecture documented through photography, reproduced on information panels, and photographed once again. Each layer adds another dimension of time. Every summer, every season of sunlight and tourism inscribes itself as a new patina. The Acropolis is more than a collection of ancient buildings. It is a symbol of Western cultural history. In the fifth century BC, during the so-called Golden Age of Pericles, the Parthenon was built as a temple dedicated to Athena. Over the centuries, the hill was repeatedly repurposed—as a church, a mosque, and a fortress. Explosions, looting, restoration: every era left its scars. In the nineteenth century, the Acropolis became a projection surface for the national identity of the newly founded Greek state. An idea of ancient purity was uncovered, while later historical layers were removed—another form of image politics. The notion of a “classical” past remains highly curated to this day. Renner’s work indirectly connects to this history: his images speak of the continuous process of editing, displaying, and restaging antiquity. Every year, millions of visitors make their way up the hill. In the summer heat, crowds gather between marble steps and safety railings. Smartphones rise into the air like a second mountain range. And it is here that a quiet contrast emerges in Renner’s book: while the images on the information panels below are slowly fading, countless new digital images are being produced above. Tourists photograph the Parthenon—perhaps even from the same viewpoints shown on the old panels. Yet their images are high-resolution, instantly shareable, and fleeting within the endless stream of social media. Renner captures a moment in which visual mediation itself is aging. His photographs do not show the monumental eternity of the Acropolis, but the transience of its representation. The sun becomes a co-author: erasing, overexposing, transforming. Images That Overtake Themselves What remains when an image no longer informs? When its colors fade and its legibility begins to disappear? Renner’s artist’s book does not answer loudly. It shows. It observes. It trusts in the poetic power of fading. The sun-bleached panels appear almost melancholic—like memories that can no longer be fully retrieved. The result is a multilayered work about time, history, and reproduction. The Acropolis appears not as a static monument, but as a site of continuous overwriting—by history, politics, tourism, and by light itself.

Details

Verlag TEXTEM VERLAG
Ersterscheinung 16. August 2026
Maße 2 cm x 40 cm x 60 cm
Gewicht 560 Gramm
Format Heft
ISBN-13 9783864853692
Auflage 10. Auflage
Seiten 56

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