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Beschreibung
Die Frage, auf welche Weise unterschiedliche Körper- und Bewegungserfahrungen von Mädchen und Jungen im Sportunterricht angemessen berücksichtigt und im Wei-teren umfassende Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet werden können, steht in der Sportwissenschaft (-soziologie/ -pädagogik) bereits seit den 70er Jahren des 20. Jahr-hunderts auf dem Prüfstand. Diskutiert wurde im Zuge dessen immer wieder, ob eher die Durchführung eines geschlechtshomogenen oder -heterogenen Sportunterrichts diesen Zielen gerecht werden kann. Die „reflexive Koedukation“ (Bildungskommission NRW, 1995) galt in den 90er Jahren als erfolgreiches Konzept, in dem immer dort, wo eine Verständigung über gemeinsame Ziele für Mädchen und Jungen im Sportunter-richt nicht möglich zu sein schien, das grundsätzlich gemeinsame Unterrichten durch eine phasenweise Trennung unterbrochen wurde. Da diese Konzeption sich nicht großflächig durchsetzen konnte, erhoffte man sich die Herstellung von Chancengleich-heit durch „geschlechtssensiblen Sportunterricht“, der neben gleichen Rechten und Entfaltungsmöglichkeiten für alle Schülerinnen und Schüler auch eine gerechte Auftei-lung von Räumen und Ressourcen vorsah und -sieht. Da aber die Fokussierung auf Körper und Körperlichkeit und damit auf körperliche Leistungsfähigkeit, Körperstile und Rituale im Sportunterricht eine herausragende Bedeutung erhalten, wird zugleich die an den Körper gebundene Geschlechtszugehörigkeit für sportunterrichtliche Arrange-ments relevant. Letztere werden wiederum durch den außerschulischen Vereinssport beeinflusst, der mit seinen zweigeschlechtlich organisierten Leistungs- und Wett-kampfstrukturen heteronormative Geschlechtervorstellungen rekonstruiert. Erzeugt und verstärkt werden damit nicht nur traditionelle Geschlechterbilder von anmutiger Weiblichkeit und harter Männlichkeit, sondern stärker noch geschlechterhierarchische Zuschreibungen, die den Sport von Männern zur Norm erheben, ihm höhere Leis-tungsfähigkeit und Attraktivität attestieren. Solche Vorstellungen haben Einfluss auf die Haltung, den Habitus von Lehrkräften, ob in der Ausbildung – Bahnungen im Studium werden bereits zu Beginn mit zu bestehenden Eingangstests nach dem Sportarten-konzept gelegt –, ob in den sportartenorientierten Unterrichtskonzepten im Referenda-riat oder nach der 2. Ausbildungsphase in der Durchführung von selbstständigemSportunterricht. Annahmen über „geschlechtsspezifische Sozialisation und Erziehung“ in universitären und schulischen Interaktionen tragen immer noch zu einer selbsterfül-lenden Prophezeiung derjenigen Differenzen bei, die dem einen oder anderen Ge-schlecht zugeschrieben werden.
Praktiken der Geschlechterunterscheidung im Sportunterricht
Details
| Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH |
| Ersterscheinung | 04. Februar 2027 |
| Maße | 21 cm x 14.8 cm |
| Format | Softcover |
| ISBN-13 | 9783658533083 |