Organisationen sind jung. Organisieren ist sehr viel älter.
Lange bevor es Organigramme, Stellenbeschreibungen oder Managementtheorien gab, mussten Menschen bereits Regeln schaffen, Aufgaben verteilen, Wissen beurteilen, Entscheidungen treffen, Macht begrenzen und erkennen, wann eine bestehende Ordnung nicht mehr trägt.
Arnela Odobasic liest sieben historische Denkerinnen und Denker mit Fragen moderner Organisationstheorie: Freidank, Benedikt von Nursia, Han Fei, Ibn Chaldun, Christine de Pizan, Primoz Trubar und Hasan Kafija Pruscak. Keiner von ihnen war Organisationstheoretiker. Gerade deshalb sind ihre Texte interessant.
Aus ihren sehr unterschiedlichen Welten treten sieben Bedingungen des Organisierens hervor: Urteil, Regel, Struktur, Kohäsion, Wissen, Sprache und Diagnose. Freidank führt zur Kunst des Unterscheidens, Benedikt zur Grenze jeder Regel. Han Fei fragt, wie eine Ordnung auch mit mittelmäßigen Menschen funktionieren kann. Ibn Chaldun zeigt, warum gerade Erfolg den inneren Zusammenhalt schwächen kann. Christine de Pizan lenkt den Blick darauf, wer überhaupt als wissend gelten darf. Primoz Trubar macht Verständlichkeit zur Voraussetzung gemeinsamer Ordnung. Hasan Kafija Pruscak schließlich fragt, woran sich erkennen lässt, dass eine Ordnung bereits an Funktionsfähigkeit verliert, obwohl sie äußerlich noch besteht.
Das Buch macht aus diesen Stimmen weder Vorläufer moderner Managementlehren noch Lieferanten zeitloser Führungsweisheiten. Die historischen Texte dürfen fremd bleiben und den Begriffen der Gegenwart widersprechen. Gerade daraus entsteht ihr Wert.
So wird aus sieben Begegnungen mit der Vergangenheit eine ungewöhnliche Betrachtung moderner Organisationen - und ihrer Neigung, Stabilität mit Tragfähigkeit, Regeln mit Vernunft und sichtbare Ordnung mit tatsächlicher Funktionsfähigkeit zu verwechseln.
Sieben Bedingungen des Organisierens: Urteil · Regel · Struktur · Kohäsion · Wissen · Sprache · Diagnose