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Die Selbstemanzipation Chinas

Die Selbstemanzipation Chinas

von Moritz Kuhlmann
Hardcover - 9783112253663
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Beschreibung

China und Marxismus bilden aus historischer Perspektive eine erstaunliche Verbindung. Wie kann die Volksrepublik China als eines der Länder mit der längsten Tradition ausgerechnet eine Weltsicht des europäischen 19. Jhdt als Leitideologie adoptieren? Und wie kann der Marxismus ausgerechnet in China, laut Marx das kulturelle Gegenteil Europas, staatstragend werden? Ebenso erstaunlich ist die gegenwärtige Gestalt dieser Verbindung. Ist die gezielte Integration des Marxismus kulturell mit der chinesischen Tradition, ökonomisch mit einer Marktwirtschaft und politisch mit der Priorisierung von Nationsstärkung nur eine chinesische Besonderheit, oder auch authentisch marxistisch?

Eine Untersuchung der gegenwärtigen marxistischen Philosophie Chinas eröffnet Perspektiven. Die chinesischsprachige akademische Marxismusforschung wird zunächst auf ihr Verhältnis zur amtlichen Ideologie untersucht. Ein wiederkehrendes Schema der Wechselwirkung beider zur Hervorbringung von Leitkonzepten des chinesischen Sozialismus lässt sich nachweisen (Kapitel 1). Anhand der Rezeptionsgeschichte eines Textes von Karl Marx wird dann die mehr als 100-jährige Geschichte der marxistischen Philosophie in China rekonstruiert. Deutlich wird, wie eng sie mit den großen politischen Tendenzen Chinas verwoben ist und diese zu verstehen hilft (Kapitel 2). Für den Zeitraum ab 2012 werden anschließend drei zentrale Debatten identifiziert und diskutiert. Unter dem Stichwort „Zweite Integration“ werden Übereinstimmungen zwischen Marxismus und chinesischer Tradition diskutiert und als Ressource für Chinas spezifische Moderne in Anspruch genommen (Kapitel 3). Die „sozialistische Marktwirtschaft“ wird in neueren Auslegungen nicht nur mit einer notwendigen Anpassung an die Praxis, sondern vom Literalsinn von Marx‘ Texten her gerechtfertigt. Kapitalentwicklung sei vorübergehend für den Sozialismusaufbau förderlich, ebenso wie etwa für ökologische Zielsetzungen (Kapitel 4). Die politischen Prinzipien des chinesischen Sozialismus werden im Ausdruck der „Mission des Anfangs“ kondensiert und in Kontinuität mit Maos gesetzt. Aus dem marxistisch-philosophischen Erbe Maos erschließt sich die Überwindung parteiinterner Widersprüche als der entscheidende locus politicus (Kapitel 5). Abschließend wird die nationale Zielsetzung im chinesischen Marxismus ausgehend von Marx‘ Schriften kritisch hinterfragt. Die jüngst wichtige Debatte um Zivilisation enthält bereits das Potenzial, den chinesischen Marxismus über eine nationale Engführung hinauszuführen (Kapitel 6).

Die Hauptthese lautet: Dem Selbstverständnis nach stellt die marxistische Philosophie der chinesischen Gegenwart die theoretischen Grundlagen der politisch umzusetzenden Selbstemanzipation Chinas bereit. Das authentisch Marxsche liegt in der Ambition der Selbstemanzipation, das originär Chinesische im Fokus auf Nation. In dem Selbstbewusstsein, dass im chinesischen Marxismus Ressourcen für eine neue Form menschlicher Zivilisation entwickelt werden, beginnt sich das Emanzipationsziel von der Nation auf eine allgemein menschliche, weltgeschichtliche Dimension auszuweiten.

Marxistische Philosophie der chinesischen Gegenwart

Details

Verlag De Gruyter
Ersterscheinung 31. August 2026
Maße 24 cm x 17 cm
Format Hardcover
ISBN-13 9783112253663
Seiten 300

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