Wenn Häuser sprechen könnten, würde dieses nicht flüstern. Ein Mehrfamilienhaus in der Oberpfalz würde erzählen, laut und ungeschönt, mit einer Stimme, die nach kaltem Rauch, abgestandenem Bier und vergessenen Träumen klingt. Es würde von Nächten berichten, die zu lang waren, und von Tagen, die nie begonnen haben. Von Türen die zuschlugen, und solchen, die nie wieder geöffnet wurden.
Diese Buch erzählt von Mietern und ihrer ungewöhnlichen Geschichten. Von jungen Paaren, deren Lachen mit jedem Glas lauter und mit jedem Morgen leiser wurde. Sie versuchten, etwas zu betäuben, das sich nicht betäuben ließ. Ihre Stimmen hallen noch im Treppenhaus nach, irgendwo zwischen Trotz und Verzweiflung.
Von einer Frau, viel zu jung, viel zu allein, als sie Mutter wurde - und es doch nie sein durfte. Das Kind, kaum geboren, schon vom Jungendamt genommen und in eine Pflegefamilie gegeben wurde. Zurück blieb eine Leere, die sich in keinem Raum dieses Hauses wirklich verlor.
Ein Vater lebte hier, gescheitert an mehr als nur den Umständen. Die Welt hatte sich von ihm abgewandt, und er sich von ihr. Nur die Katze blieb. Ein stilles, atmendes Versprechen, dass er noch da war, dass jemand ihn brauchte. In der Nächten saß er am Fenster, sprach mit ihr, als wäre sie der letzte Zuhörer auf dieser Welt.
Und irgendwo dazwischen: eine Mutter, allein mit ihrem kleinen Kind. Zwischen Angst und Stärke, zwischen Müdigkeit und einem unbeirrbaren Weg, weiterzumachen.
All diese Leben und noch weitere kreuzten sich hier. Für einen Moment, für Jahre oder nur für den Bruchteil einer Zeit, die ihnen entglitt. Das Haus sah sie kommen und gehen. Es bewahrte ihre Spuren, auch wenn niemand sie mehr bemerkte.
Dies ist kein Haus wie jedes andere. Es ist ein Gedächtnis. Ein stiller Zeuge. Und dies sind seine Geschichten.
Mietergeschichten