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Arthur Schnitzlers "Lieutenant Gustl" - Fachdidaktische Analyse

Arthur Schnitzlers "Lieutenant Gustl" - Fachdidaktische Analyse

von Sarah Pfeffer
Softcover - 9783640594658
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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft, Note: 2,0, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Sprache: Deutsch, Abstract: Wien und die Wiener Gesellschaft um 1900 stellen einen in der Literatur Arthur Schnitzlers

zentralen Themenkomplex dar, der auf eine besondere Art und Weise im Lieutenant Gustl

verarbeitet wird. Die Schauplätze der Novelle können topographisch exakt in Wien verortet

werden, die Atmosphäre der Kaffeehauskultur wird in Details aufgegriffen, zum Beispiel

durch die Erwähnung zeitungslesender Gäste in einem Wiener Kaffeehaus, und die

Umgangssprache ist deutlich durch den österreichischen Dialekt gefärbt. Die Novelle

Lieutenant Gustl entblößt die Wiener Gesellschaft als von sinnentleerten Konventionen

geprägt, die in hohem Maß aber den Menschen als Individuum bestimmen und so

selbstbestimmtes Denken und Handeln verhindern und in letzter Konsequenz zur

¿Entselbstung¿ führen müssen: Der vor Todesangst zitternde Lieutenant enthüllt den elitären

Ehrenkodex der Offiziere als bloße Fassade. Diese Fremdbestimmung durch gesellschaftliche

Normen lässt Lieutenant Gustl zur Repräsentationsgestalt einer ganzen literarischen

Bewegung ¿ der Wiener Moderne ¿ werden.

Für das Verständnis des Schicksalsraums der leeren Konventionen bildet die Basis der

Zugang über die Form des Werks. In Lieutenant Gustl ist der innere Monolog zum ersten Mal

in einem deutschen Erzähltext das tragende Strukturelement, Schnitzlers Konsequenz aus der

im 19. Jahrhundert erfolgenden Subjektivierung der Literatur. Einen traditionellen Erzähler

sucht man im Text vergebens. Stattdessen drückt der Ich-Erzähler in augenblicklichen

Gedankenfetzen, Erinnerungen und Empfindungen miteinschließend, seinen Ich-Zustand aus.

Bei aller Ausschnitthaftigkeit sind die Gedanken voll ausformuliert und folgen mitunter einem

gewissen Strukturschema, was das inhaltliche Verständnis des Lesers sichert. Äquivalent zur

Ausschnitthaftigkeit der Gedanken des Lieutenants steht die Ausschnitthaftigkeit des Werks

als Novelle. Lieutenant Gustl trägt als Gattungszuordnung Novelle im Titel, was besonders für

die strukturelle Form des Textes Konsequenzen trägt: Die Novelle als stilisierte,

ausschnitthafte Wirklichkeit, die subjektive und objektive Aspekte durch bilaterale Strukturen

in sich vereint und unfraglich in der Nähe des Dramas anzusiedeln ist, scheint gepaart mit

dem inneren Monolog zuweilen als geniale Lösung für die Darstellung des

spannungsgeladenen, in verschiedene Ich-Zustände zerrissenen Lieutenant.

Details

Verlag GRIN Verlag
Ersterscheinung 18. April 2010
Maße 21 cm x 14.8 cm x 0.2 cm
Gewicht 45 Gramm
Format Softcover
ISBN-13 9783640594658
Auflage 3. Auflage
Seiten 20