{"product_id":"forum-fur-osteuropaische-ideen-und-zeitgeschichte-von-leonid-dehnert-luks-9783838222882","title":"Forum für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte","description":"\n                                \n                \u003cp\u003eDie folgende Abhandlung widmet sich einem bekannten Begriff, der nur scheinbar eine klare Herkunft und Bedeutung aufweist: Doppeldenken. Die etablierten Deutungen um den Roman von George Orwell dienen hier lediglich als ein erster Bezugspunkt, um einen Ansatz zu verstehen, der weitgehend unbekannt ist: Der Begriff des Doppeldenkens wurde vom (damals noch) sowjetischen Soziologen Jurij Levada (1930–2006) und seinem Team zwecks Tiefenanalysen der empirischen Daten aus Meinungsumfragen während der letzten Jahre der Sowjetunion herangezogen. Lev Gudkov, ein jüngerer Kollege und teilweise Schüler Levadas, übernahm diesen Begriff und wendet ihn nicht nur systematisch bis heute an, um gesellschaftliche Verhältnisse im postsowjetischen Russland zu verstehen, sondern gliedert ihn in theoretische Gesellschaftsmodelle und klassische soziologische Konzepte ein. …\u003c\/p\u003e\n                                \n                \n                \u003cp\u003eIm Zusammenhang mit dem Begriff des Doppeldenkens ist die zentrale Problematik bei Gudkov die Beziehung zu einer Autorität: Es ist nicht ein „doppeltes Denken“, das im Fokus der Betrachtung steht, sondern der fortgesetzte Versuch der Subjekte, die unter den Bedingungen einer mit repressiven Mitteln durchgesetzten staatli-chen Autorität leben, dieser auszuweichen. Man könnte sagen, dass hier Verstellen und „So-tun-als-ob“ als ein Ausweichmanöver be-sonderer Art beschrieben wird – als Versuch zu entkommen, sich zu emanzipieren, und damit letztlich: als Akt zur Erringung von Freiheit. Im Gegensatz zu Orwellschen Dystopie, in der das menschliche Bewusstsein zum Opfer einer Allmacht und Hybris einer Wahnsinnsherrschaft herabsinkt, werden soziale Akteure bei Levada und Gudkov als gewiefte und strategisch geübte Schauspieler dargestellt, denn das Sich-Verstellen ist die einzige Form der Freiheit, die ihnen geblieben ist – in einer sozialen Ordnung, die als Kontrastfall zum Ansatz moderner Gesellschaften analysiert wird. \u003c\/p\u003e\n                                \n                \n                \u003cp\u003e\n                                        \n                    \u003cbr\u003e\n                                        \n                \n                \u003c\/p\u003e\n                                \n                \n                \u003cp\u003e(Aus dem Beitrag von Anna Schor-Tschudnowskaja)\u003c\/p\u003e\n                            \n            \u003cdiv class=\"aw-variant-hidden-subtitle-div\" id=\"aw-variant-subtitle-9783838222882\"\u003e\u003ch3\u003eJahrgang 30.1\u003c\/h3\u003e\u003c\/div\u003e","brand":"Autorenwelt Shop","offers":[{"title":"Softcover - 9783838222882","offer_id":59006356422981,"sku":"9783838222882","price":34.5,"currency_code":"EUR","in_stock":true}],"thumbnail_url":"\/\/cdn.shopify.com\/s\/files\/1\/0940\/0622\/files\/73461_a6db35ea-c309-4b13-9861-2a2c6040ac99.jpg?v=1787893467","url":"https:\/\/shop.autorenwelt.de\/products\/forum-fur-osteuropaische-ideen-und-zeitgeschichte-von-leonid-dehnert-luks-9783838222882","provider":"Autorenwelt Shop","version":"1.0","type":"link"}